Geidō-Newsletter

Ausgabe 01 | Juni 2026

IT-Komponenten-Krise: Wenn eigene Infrastruktur zum Risiko wird

Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin seit über 20 Jahren in der IT-Infrastruktur tätig. Ich habe erlebt, wie aus Servern Rechenzentren wurden, wie aus lokalen Netzwerken Cloud-Infrastrukturen entstanden – und wie aus vermeintlich stabilen Märkten über Nacht strategische Engpässe wurden.

Was wir gerade erleben, ist kein normaler Zyklus. Die Knappheit bei Storage- und Serverkomponenten, der Preisdruck, die langen Lieferzeiten – das ist das Ergebnis einer fundamentalen Verschiebung. KI-Infrastruktur frisst Kapazitäten, die früher selbstverständlich verfügbar waren. Und der Mittelstand merkt es oft erst dann, wenn er konkret bestellen will.

Mit Geidō wollen wir genau an dieser Stelle ansetzen: mit klarer Einschätzung, ohne Panik, aber auch ohne Beschönigung. In diesem Newsletter werden wir regelmäßig über Entwicklungen berichten, die für Unternehmen wirklich relevant sind – nicht für Konzerne mit Einkaufsabteilungen, sondern für alle, die IT pragmatisch und verlässlich betreiben wollen.

Der erste Artikel beschäftigt sich mit der aktuellen Komponentenkrise – einem Thema, das aus meiner Sicht jetzt auf den Tisch gehört. Ich freue mich, wenn Sie dabei bleiben.

Georg Binek

CEO & Founder, Geido.io | Crossmedia IT

IT-Komponenten-Krise

Wer im Jahr 2026 Server, Speicher und Rechenleistung für das eigene Unternehmen aufbauen oder erweitern will, trifft nicht mehr auf den Markt von gestern. Komponenten, die früher bestellt, geliefert und verbaut wurden, werden plötzlich zu strategischen Engpässen. Preise springen. Lieferzeiten dehnen sich. Hersteller vergeben Kapazitäten Jahre im Voraus.

Das ist kein Randthema mehr. Das ist Chefsache.

Der Markt hat die Richtung geändert

Die Lage ist vor allem deshalb kritisch, weil mehrere Produktgruppen von sehr wenigen Herstellern abhängen. Bei klassischen Festplatten dominieren weltweit faktisch nur noch drei Anbieter: Seagate, Western Digital und Toshiba.

Besonders deutlich wird die Verschiebung daran, dass Western Digital und Seagate bereits bestätigt haben, dass ihre Kapazitäten für 2026 weitgehend ausgebucht sind. Teilweise bestehen sogar schon Vereinbarungen für 2027 und 2028.

 

Der Grund: große Cloud- und AI-Betreiber ziehen Kapazitäten aus dem Markt. Früh. Massiv. Langfristig.

Gleichzeitig steigen die Preise deutlich. Zu Jahresbeginn 2026 verteuerten sich bestimmte Speicherarten gegenüber dem Vorquartal um ein Vielfaches. Für das zweite Quartal 2026 wird ein weiterer Anstieg von bis zu 75 Prozent erwartet.
KI frisst Komponenten

Unter Druck stehen derzeit vor allem diese Komponenten:

  • Arbeitsspeicher, besonders für Server

  • Flash-Speicher und Enterprise-SSDs

  • hochkapazitäre HDDs

  • CPUs und servernahe Plattformen

Besonders kritisch ist die Lage bei DRAM für Serveranwendungen mit ECC-Fehlerkorrektur. Hersteller verlagern ihre Produktionskapazitäten zunehmend auf HBM (High Bandwidth Memory). Dieser Speicher ist für GPU- und AI-Anwendungen besonders gefragt – und wirtschaftlich attraktiver.

KI frisst nicht nur Strom. KI frisst Komponenten.

Abwarten ist auch eine Entscheidung

Viele Unternehmen hoffen in solchen Phasen auf Beruhigung.
Auf fallende Preise. Auf bessere Verfügbarkeit. Auf den Moment, in dem sich der Markt wieder sortiert.

Nur: Genau dieses Warten kann jetzt teuer werden.

Das trifft besonders Agenturen und projektgetriebene Unternehmen. Neue Kunden. Mehr Daten. Höhere Anforderungen an Performance, Sicherheit und Verfügbarkeit. Und plötzlich braucht das Geschäft Infrastruktur, die nicht schnell genug kommt …

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die wichtigste Konsequenz lautet nicht Panik, sondern Klarheit.
Eigene Infrastruktur bleibt sinnvoll. Aber nicht um jeden Preis. Und nicht in jeder Situation. Die zentrale Frage lautet nicht mehr nur: Was kostet unsere IT?
Sondern: Wie sichern wir unsere Handlungsfähigkeit, wenn der Markt enger wird?
Eine praktikable Antwort kann sein, Kapazitäten gezielt auszulagern, statt sie unter hohem Kosten- und Beschaffungsdruck selbst aufzubauen. Gerade in einem Markt, der auf Sicht gefahren werden muss, ist temporäre oder hybride Auslagerung eine strategische Option und keine Notlösung.

Fazit

Die IT-Komponenten-Krise ist keine normale Preisschwankung. Sie zeigt, wie abhängig Unternehmen inzwischen von wenigen Herstellern, globalen Lieferketten und dem Infrastrukturhunger der AI-Industrie geworden sind.
Wer heute Server, Speicher und Rechenleistung plant, muss deshalb nicht nur technisch denken. Sondern beschaffungsstrategisch. Finanziell. Operativ. Mit Blick auf die eigene Handlungsfähigkeit.
Abwarten und nichts tun ist in dieser Situation keine belastbare Option. Sinnvoller ist es, frühzeitig zu prüfen, welche Teile der eigenen Infrastruktur wirklich selbst betrieben werden müssen – und welche sich für einen begrenzten Zeitraum flexibler auslagern lassen.
Durch planbare, kurzfristig verfügbare Umgebungen kann Geidō Files helfen, wenn eigene Kapazitäten zu spät, zu teuer oder zu unsicher werden – für Unternehmen, die nicht warten wollen, bis der Engpass vor der Tür steht.

Quellen

  • heise.de – WD und Seagate bestätigen Festplatten fürs Jahr 2026 ausverkauft
  • trendforce.com – DRAM Price Forecast Q2 2026

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